Horizont für andere Lebenssituationen öffnen

Laura Bernthäusl absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Ambulant Betreuten Wohngruppe der AWO

Linkenheim. Seit gerade einmal fünf Wochen läuft das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) von Laura Bernthäusl in der Ambulant Betreuten Wohngruppe der AWO in Linkenheim. Doch schon jetzt ist sich die 20-Jährige sicher, hier eine tolle Erfahrung für ihr weiteres (Berufs-)Leben zu machen. „Die Arbeit mit älteren Menschen bereitet mir sehr viel Freude“, so die FSJlerin, die über eine Zeitungsannonce von der Stelle erfuhr. „Eigentlich wollte ich eine Ausbildung zur Erzieherin machen, bekam aber keinen Platz.“ Glück für die Bewohner der AWO Einrichtung im Europaring – sie haben nun einen weiteren Ansprechpartner, der sie bei hauswirtschaftlichen Dingen unterstützt. Denn zu den Aufgaben von Laura gehört neben dem Tisch ein- und abdecken auch das Waschen und Bügeln der Kleider und eben die Unterhaltung mit den aktuell neun Bewohnern der WG. Und die kann mit-unter sehr lustig, aber auch intensiv werden – gerade wenn die Senioren aus ihrem Leben erzählen, von der Familie oder von Dingen wie Telefone mit Wählscheibe oder ein Leben ohne Computer. „Wenn man bedenkt, dass teilweise über 60 Jahre zwischen uns liegen, dann ist das schier un-vorstellbar“, schmunzelt Laura Bernthäusl.

„Am Anfang mussten wir Laura ein bisschen aus ihrem Schneckenhaus locken“, erzählt Manuela Büchler von den ersten Tagen der FSJlerin. Die Einrichtungsleitung war sich aber schnell sicher, dass Laura gut ins Team und in die Einrichtung passt. Insgesamt fünf Alltagsbegleiter plus die Hausleitung kümmern sich zwölf Stunden am Tag um die Bewohner. Nachts gibt es zusätzlich eine Bereitschaft. Nachdem die erste Scheu abgelegt war, ist Laura Bernthäusl nun aber voll integriert. „Ihre Aufgaben werden mit der Zeit auch noch wachsen, manche Dinge kann sie irgendwann auch selbst-ständig erledigen“, so Büchler, die zum ersten Mal eine FSJlerin betreut. „Es ist für uns alle neu, aber eine tolle Bereicherung.“

Das Freiwillige Soziale Jahr bietet den jungen Erwachsenen viele Chancen: zum einen zur persönlichen Orientierung, zum anderen zur Horizonterwei-terung und auch zum Aneignen von Schlüsselqualifikationen. „Sie unterstützen uns in unserer täglichen Arbeit und können durch die Verantwortung, die sie übernehmen, viel Bestätigung und Anerkennung erhalten“, so Büchler, die in den Freiwilligendiensten auch eine gute Möglichkeit sieht, Wartezeiten sinnvoll zu überbrücken.

Eine besonders beeindruckende Erfahrung war für Laura Bernthäusl der Kontakt mit einer blinden Bewohnerin. „Zuerst war ich unsicher, wie wir miteinander umgehen, wie ich sie unterstützen kann“, berichtet die junge Frau aus Hochstetten. „Doch als ich sah, wie toll sie allein zurecht kommt, wie das alles bei ihr funktioniert, war ich total fasziniert und habe alle Scheu verloren.“ Solche Situationen machen ein FSJ für Manuela Büchler zu et-was Besonderem, etwas Wichtigem für junge Menschen. „Die Einblicke in das Leben von älteren Menschen öffnen den Horizont für andere Lebenssi-tuationen.“

Dass das Freiwillige Soziale Jahr beliebt ist, davon berichtet auch Laura Bernthäusl. „In meiner Klasse haben sich viele dafür entschieden.“ Natürlich sei es auch toll, nach der Schule gleich etwas Geld zu verdienen. Aber für die meisten stehe doch der soziale Zweck im Vordergrund. „Nach 13 Jahren Schule und Lernen ist es auch unglaublich toll, etwas Praktisches zu machen, etwas Alltags- und Berufsluft zu schnuppern“, so Bernthäusl, die sich auch auf die Seminare, die im Rahmen eines jeden FSJs durchgeführt werden, freut. Ziel dieser ist es, soziale, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln und das Bewusstsein für das Gemeinwohl zu stärken.

Und auch, wenn sich Laura Bernthäusl sicher ist in ihrer Entscheidung, eine Ausbildung als Erzieherin zu machen, werden ihr die Erfahrungen, die sie im Freiwilligen Sozialen Jahr sammeln wird, bestimmt nützlich sein. Da ist sie sich jetzt schon sicher.

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