Ein Tag gegen das Rollenklischee

Boys‘Day 2016 gibt spannende Einblicke in die Berufswelt der sozialen Berufe.

Klassischem Rollendenken entgegenwirken und Horizonte über mögliche Ausbildungsberufe bei Jugendlichen erweitern - das wollte einmal mehr der "Girls' und Boys' Day" letzten Donnerstag. Junge Menschen träumen davon, den Beruf zu finden, der zu ihnen passt. Niemand ist für bestimmte Berufe geeignet oder nicht, weil er ein Mädchen oder ein Junge ist.

Die AWO Karlsruhe-Land beteiligte sich mit ihren Einrichtungen im Bereich Pflege und Erziehung am Boys´Day und konnte so 16 Jungs neue Perspektiven in Berufen eröffnen, in denen der Männeranteil noch gering ist. Einfach einmal pflegerische, soziale und erzieherische Berufe ausprobieren und damit die eigenen Erfahrungen ausbauen. Denn oft entscheiden sich diese Jungen und junge Männer der Klassen 5-10 vor der Berufswahl, oft traditionell für Berufe wie KFZ-Mechatroniker und Industriemechaniker.

Im ganzen Landkreis Karslruhe waren die Jungen eingeladen, einen Schnuppertag in den Sozialstationen, Seniorenzentren, Zwergenstuben, KiTas und Schülerhorten der Arbeiterwohlfahrt zu absolvieren.
„Der Boys’Day ist ein wichtiger Baustein, Jungen neue berufliche Optionen zu eröffnen. Dazu bekommen sie neben Tagespraktika auch die Gelegenheit, in pädagogischen Workshops über Männlich-keit nachzudenken sowie ihre sozialen Kompetenzen auszubauen. Die AWO Karlsruhe-Land begrüßt die Durchführung des Boys’Day und sieht darin einen wichtigen Schritt zur Gleichstellung der Ge-schlechter sowie zur Förderung der Jugendarbeit“, so Elke Krämer, eine der beiden Geschäftsführerinnen der Sozialen Dienste gGmbH.
Doch konnten die Jungs auch überzeugt werden, einen sozialen Beruf wie Altenpfleger oder Erzieher zu ergreifen? Mattis in der Zwergenstube Bad Schönborn, David und Nico im Schülerhort in Oberhausen, Evan, Fabian und Luka im Kindergarten Kribbel-Krabbel in Linkenheim und auch Tim im Kindergarten Wiesenzwerge in Ettlingen – alles angehende Jungerzieher? Leider nein. Gerne in der Freizeit, aber als Beruf konnte sich das keiner der Jungs vorstellen, obwohl die Erziehrinnen berichten, dass die Kinder sehr auf die männlichen Kräfte ansprechen. Andere Argumente kamen von den Jungs in der Pflege. Ob Pascal, Cedric, Lukas und Darrel, die in Weingarten mit auf Pflegetour gingen, Florian, der seinen Einsatzort im Seniorenzentrum Bundschuh hatte, Marvin, Tobias  und Christian die in der Sozialstation in Waghäusel bzw. Wöschbach für einen Tag mitgeholfen haben und auch Valentin, der in der SenTa in Waghäusel sich mit den Seniorinnen und Senioren beschäftigte – keiner konnte es sich vorstellen, den Beruf eines Altenpflegers zu ergreifen.

„Da kommt einfach zu wenig dabei rum“, hörte man. Die Jungs möchten hauptsächlich einen Job, bei dem sie viel Geld verdienen. Soziale Arbeit, ja gerne – aber dann bitte in der Freizeit. Der Boys´Day zeigte zwar, dass sich auch Jungs im sozialen Bereich, sei es in der Pflege unsere älteren Mitbürger oder in der Betreuung von Kindern, sehr wohl fühlen.  Allerdings muss aber noch einiges getan werden, so der allgemeine Tenor auch bei den Leitern und Leiterinnen der AWO-Einrichtungen.  Ein Appell richtet sich an die Gesetzgebung und unsere Gesellschaft: Um den Beruf wirklich zu ergreifen fehlt eine gerechte Bezahlung, um damit  seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, die soziale Anerkennung dieser wichtigen Tätigkeit und eine Entbürokratisierung, damit wirklich Zeit für den Menschen bleibt.

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