Eine Taube für Damaskus

Bilder von Karam Abdullah

Eine Taube für Damaskus

Ein Krieg, von dem man nur in der Zeitung liest, scheint fern, erscheint in der täglichen Wahrnehmung nur eine Randerscheinung darzustellen, eine Randnotiz, die man nach Sekunden wieder zu vergessen vermag. Doch er findet dennoch statt.

Seit über 1.660 Tagen befindet sich Jarmuk, rund 5 Meilen von Damaskus entfernt, im Belagerungszustand. Oder in anderen Zahlen ausgedrückt: Über 4 ½ Jahre. Über 40.000 Stunden. Über 100.000 Palästinenser lebten vor Beginn des Syrischen Bürgerkriegs in dem knapp 2 Quadratkilometer großen Lager. Heute, 7 Jahre danach, ist die Zahl der Verbliebenen unter 13.000 gesunken. Der Rest ist geflohen oder gestorben. Geblieben sind nur die, denen die Flucht nicht möglich war, alte Menschen, Frauen, Kinder. Die Bedingungen sind katastrophal, die Menschen sind gezwungen, unter unbeschreiblichen Hygienebedingungen zu leben und verunreinigtes Wasser zu trinken. Seit 2012 ist das Lager Schauplatz von Kämpfen. Die Parteien wechselten dabei in der Zeit, der Krieg blieb. Die Syrische Opposition, die Syrische Armee und ab 2015 der Islamische Staat. Am 25. Februar diesen Jahres erlies der UN-Sicherheitsrat eine Resolution für eine 30-tägige Waffenruhe in Syrien, in der alle Konfliktparteien aufgefordert wurden, die Belagerung dicht bevölkerte Gebiete wie Ost-Ghouta, Fua, Kefraja und eben Jarmuk sofort zu beenden.

Einer der über 85.000 geflohenen Palästinenser aus Jarmuk ist Karam Abdullah. Er ist über die Türkei und den Balkan nach Deutschland geflohen und lebt derzeit in Kraichtal-Oberöwisheim in einer Anschlussunterbringung. Seit Kindesbeinen malt er Bilder, auf der Flucht gar mit Hilfe eines Zeichenprogramms auf seinem Handy. So ist mit der Ausstellung „Eine Taube für Damaskus“ ein beeindruckendes Zeitzeugnis entstanden, das in nur 40 Bildern die Geschichte eines Menschen zeigt, der unbeschreibliches erlebt hat – es aber dennoch schafft, das Unbeschreibliche in Bildern darzustellen. Beginnend mit 3 Bildern von Jarmuk, vor, während und nach den Kämpfen, endend mit der Taube für Damaskus, die den sehnlichen Wunsch nach Frieden für seine Heimat und die ganze Welt ausdrückt.

Neben der Reihe „Eine Taube für Damaskus“ sind auch neue Werke entstanden, die er seit seiner Zeit in Deutschland geschaffen hat und nun in den Räumen der Geschäftsstelle der AWO Karlsruhe- Land besichtigt werden können. Eine Besichtigung ist Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr möglich. Nähere Informationen bekommen Sie am Empfang.

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